Institut für historische Intervention

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Bringing Together Divided Memory. Czechoslovakia, National Socialism and the Expulsion of the German Speaking Population. An Austrian, Czech and Slovakian Oral History and Exhibition Project

Projektpartner: Institut für Kulturwissenschaft und Theatergeschichte (Österreichische Akademie der Wissenschaften), Antikomplex (Prag), Antikomplex.sk (Banská Bystrica)
Finanzierung: Europäische Kommission, “Europa für Bürgerinnen und Bürger“; Zukunftsfonds der Republik Österreich
Projektdauer: 1.10.2014 bis 31.3.2016

Im vielfältigen zeitgeschichtlichen Gedächtnis Europas lassen sich hinsichtlich der deutschsprachigen Bevölkerung Böhmens, Mährens und der Slowakei zwei Erzählstränge unterscheiden, die bis in die jüngste Vergangenheit weitgehend unvereinbar schienen: die Erzählung der aus der ehemaligen Tschechoslowakei Vertriebenen und die Erzählung der Tschechen und Slowaken, die vor allem vom Nationalsozialismus und der Unterdrückung durch die Deutschen handelt. Beide Erzählungen setzen in der wechselseitigen Aufrechnung von Gewalt und Verfolgung die Muster der Nationalismen fort, die in den Jahren von 1938 bis 1947 zu einer Folge humanitärer Katastrophen geführt hatten.

Das Projekt zielt auf eine gemeinsame dreisprachige Erzählung dieser Geschichte und ihrer bis in die Gegenwart reichenden Erinnerung ab, basierend auf biografischen Video-Interviews. Im Filmschnitt werden die österreichische, tschechische und slowakische Narration zu einer einzigen, vielschichtigen Erzählung zusammengeführt. Der Schwerpunkt liegt auf der Erfahrung in erweiterten biografischen Zusammenhängen, einschließlich der Formen des Zusammenlebens in der Tschechoslowakei bis 1938. Besondere Aufmerksamkeit wird jenen Gruppen gewidmet, die der Einordnung in binäre Positionen widerstreben, etwa den deutschsprachigen Juden und Jüdinnen, zweisprachigen Paaren oder den Deutschsprachigen, die in der Slowakei und in Tschechien blieben.

Die Veröffentlichung des Videomaterials wird in Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen, Schulpartnerschaften, Online-Ausstellungen und Medienkampagnen stattfinden.

 

AKM und AustroMechana im Wandel von "Arisierung" und Neugründung

Die AKM, die „Staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger“, wurde 1897 gegründet und ist eine der ältesten Verwertungsgesellschaft Europas. Sie vertritt gemeinsam mit der 1934 entstandenen AustroMechana, zuständig für mechanische Rechte (damals vor allem Schallplatten), auch heute noch die Urheberrechte ihrer Mitglieder. Als Österreich sich 1938 widerstandslos an NS-Deutschland anschloss, hatte diese Selbstaufgabe den Ausschluss der jüdischen Mitglieder beider Organisationen zur Folge.

Diese wurden im gedruckten Mitgliederverzeichnisses der AKM von 1937 fein säuberlich mit einem rotem Buntstift ausgestrichen. Von 1.266 Mitgliedern der Gesellschaft waren 531 Personen, das sind rund 42%, betroffen (die Zahlen treffen annähernd auch für die AustroMechana zu, da sie eng mit der AKM verbunden war).

Zu den Ausgeschlossenen gehörten auch Hermann Leopoldi und sein Bruder Ferdinand. Hermann Leopoldi gelang nach seiner Anhaltung in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald die Flucht in die Vereinigten Staaten, während Ferdinand Leopoldi 1944 in Wien an den Folgen der in Gestapo-Haft erlittenen Folter starb.

Gemeinsam mit Fritz Löhner-Beda, einem der Vizepräsidenten der AKM bis 1938, schrieb Leopoldi im KZ Buchenwald den berühmten „Buchenwälder Marsch“ (auch als Buchenwald-Lied bekannt). Löhner-Beda, der übrigens auch Librettist Franz Lehárs war, wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

Noch im Sommer 1938 trat die deutsche STAGMA, die „Staatlich genehmigte Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Urheberrechte“ die Rechtsnachfolge der AKM an. Obwohl die jüdischen Künstler verfemt und vertrieben waren, wurden sie zumindest zum Teil noch gespielt und es fielen Tantiemen an. Die der STAGMA unterstellte AMMRE (Anstalt für mechanisch-musikalische Rechte, das Äquivalent der AustroMechana) jetzt höchstwahrscheinlich auch zuständig für die ehemaligen Austro-Mechana Mitglieder, nahm beispielsweise 1941/42 für 344 vertriebene Komponisten beträchtliche Gebühren ein. Dazu zählten auch die AKM-Mitglieder Franz Waxmann (RM 26.329,76.-), Walter Jurmann (RM 18.444,44.-), Emmerich Kalman (RM 14.842,94.-) und Bronislav Kaper (RM 13.631,05.-).

Der Großteil dieser Tantiemen fiel im Ausland an, da „jüdische“ Musik im Dritten Reich verboten war und nur von Juden gehört werden durfte. Nicht selten wurden Werke von jüdischen Komponisten und Textdichtern anonymisiert, wenn deren weitere Aufführung dem NS-Regime wünschenswert war, wie beispielsweise die von Fritz Löhner-Beda stammenden Libretti der Operetten Franz Lehárs.

Die anfallenden Gelder fielen auf Grund der „11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ vom 25. November 1941 an den Staat. Die Verordnung bestimmte, dass ein Jude mit Wohnsitz außerhalb der Reichsgrenzen nicht Staatsangehöriger sein und sein Vermögen deshalb vom Reich „beschlagnahmt“ werden könne. Sie wurde insbesondere auch auf jene Menschen angewendet, die in die Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden. Da diese meist außerhalb des Reichsgebietes lagen, hatten die Deportierten ihren Wohnsitz nun – wie die Exilanten – im „Ausland“.

Der "Judenspiegel" der AKM:

http://www.wienbibliothek.at/aktuelles/objekt-des-monats-maerz-12.html

Das Projekt läuft seit 2011.

 

Neugestaltung des alten jüdischen Friedhofs St. Pölten

Der alte jüdische Friedhof St. Pölten wurde 1859 angelegt und 1906 geschlossen Nach dem sogenannten "Anschluss" im Jahr 1938 wurde das Areal samt allen anderen Liegenschaften der IKG von der Stadt St. Pölten "arisiert", die Grabsteine übernahm die städtische Friedhofsverwaltung. Heute steht auf dem Areal kein einziger Grabstein mehr.

Vom wichtigsten Merkmal des Ortes, den hier begrabenen Menschen, ist im gegenwärtigen Zustand nichts zu ahnen. Ein neu zu errichtendes Grabdenkmal wird die Verstorbenen ins allgemeine Gedächtnis zurückbringen und insbesondere deren Nachfahren ein Gedenken am Ort der Gräber ermöglichen.

Der Grabstein und dessen grundlegende rituelle Bedeutung stehen im Zentrum des Projekts. Zusätzlich wird eine künstlerische Gestaltung die Geschichte des Friedhofs erzählen und den Ort in das historische Bewusstsein der Stadt zurückholen. Zum Abschluss der Neugestaltung des Friedhofs werden die Ergebnisse in Form einer Broschüre publiziert, um Projektverlauf, historische Forschung und künstlerische Umsetzung zu dokumentieren und mit gutem Bildmaterial einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Das Projekt läuft seit 2009.

 

Hermann Leopoldi. Ein Wiener Volkssänger jüdischer Herkunft.

Der Künstler Hermann Leopoldi

Hermann Leopoldi war einer der begabtesten und meist gefeierten Komponisten, Pianisten, Sänger und – wie er sich selbst nannte – „Klavierhumoristen“ des Wiener Liedes sowie des deutschsprachigen Schlagers der 1920er, 1930er, 1940er und 1950er Jahre. Er schuf so bekannte Lieder wie „Schön is so ein Ringlspiel“, „I bin a stiller Zecher“, „In einem kleinen Cafe in Hernals“, „Überlandpartie“, „Schnucki, ach Schnucki“, aber auch den im KZ geschriebenen „Buchenwald-Marsch“ und politische Lieder wie „Die Novaks aus Prag“ (über ExilantInnen-Schicksale) oder „An der schönen roten Donau“ (über die sowjetische Besatzung und den politischen Opportunismus der ÖsterreicherInnen).

Projekt abgeschlossen (2010-2012).

 

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