Institut für historische Intervention

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Serbenhalle

 

 


 

Im Jahr 2003 fanden sich Markus Grabenwöger, Michael Rosecker und Hans Stippel in Kooperation mit dem Verein Alltag Verlag und dem Mauthausenkomitee zusammen, um dem KZ in der Serbenhalle ein Denkmal zu setzen.

Auf dem Gelände der einstigen Wiener Neustädter Lokomotivfabrik wurde ab 1943 vom deutschen Rüstungskonzern Henschel und Sohn ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen geführt. Offiziell wurde es "SS-Arbeitslager Wiener Neustadt" genannt. Dort mussten bis zu 1.000 Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Die riesige Werkshalle wurde von der Wehrmacht in der serbischen Stadt Kraljewo, wo sie der Erzeugung von Eisenbahnwaggons diente, geraubt, weshalb sie im Allgemeinen auch "Serbenhalle" genannt wurde, nach Wiener Neustadt transportiert und hier unter Einsatz der KZ-Häftlinge aufgestellt.

Die „Serbenhalle“ liegt mit beeindruckender Größe im Siedlungsgebiet Wiener Neustadts. Sie misst 300 m in der Länge, 70 m in der Breite und 30 m in der Höhe. Schon ihre Errichtung muss Aufsehen erregt haben. Dessen ungeachtet war das Bewusstsein über die Existenz der Halle und das Wissen von den Geschehnissen in ihr und um sie nach dem Zweiten Weltkrieg kaum entwickelt. Auch wollten die Reaktionen auf die nach dem Krieg stattfindende Aufarbeitung glaubhaft machen, über die Geschehnisse in der Halle und deren Zweck konnte man nichts gewusst haben. Die verschiedenen Widerstände gegen die Errichtung der Gedenkstätte bedienten sich einer Sprache, die das Nahe zu tilgen und das Große zu verbergen suchte. So nahe und doch so fern. So groß und doch so unscheinbar.
Diese Spannungen von Nähe und Ferne, Größe und Unscheinbarkeit liegen dem Konzept des Denkmals zu Grunde. Daher ist der Korpus des Denkmals eine massive Leuchtreklamen-Konstruktion, die hell erleuchtet wird. So soll darauf verwiesen werden, dass es Botschaften gibt, die offen beworben und uns offensiv näher gebracht werden können, und dennoch wollen wir davon weder gehört noch gewusst haben!
Dem folgend wirft die der stark frequentierten Straße zugewandte Seite des Denkmals drei Behauptungen und drei Fragen nach der individuellen Verantwortung auf. Auf der straßenabgewandten Seite offenbart sich den interessierten LeserInnen der eigentliche Gedenktext. Der Leser und die Leserin kehren somit beim Lesen der Aufdringlichkeit der Serbenhalle den Rücken zu.