Institut für historische Intervention

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Home Erinnerungsprojekte in Österreich Verbunden mit der Vergangenheit

Verbunden mit der Vergangenheit

 

 

 

 

 

Verbunden mit der Vergangenheit. - Eine Telefonzelle für die Erinnerungen an das Konzentrationslager in Melk.

 

„Na mir ham die ja gesehen, jeden Tag. Zwischen Melk und Loosdorf ist der Wachtberg und da ist eine Munitionsfabrik gebaut worden, durch die KZler, die sind im 44er Jahr gekommen. Das Militär ist abgezogen und die KZler sind dort hineingekommen in die Kaserne. Die sind jeden Tag von der Kaserne hinuntergeführt worden durch die Stadt zum Bahnhof. Solche Figuren kann man sich gar vorstellen, furchtbar, ausgemergelt, jeder hat seinen Topf mitnehmen müssen, weil sie nicht austreten durften. Das hat die Bevölkerung gesehen. Und dann die Züge, die nach Mauthausen gefahren sind auf der Westbahn, in Viehwagen. Am Bahnhof, da haben sie die Hände herausgestreckt, das habe ich gesehen, das ist mir in grausiger Erinnerung“, erzählt die 92jährige Luise L. über die Zeit des Nationalsozialismus in Melk.
(Zu den Hörtexten)

Als Schutz vor den alliierten Bombenangriffen wurde für Steyr-Daimler Puch AG unter dem Decknamen „Quarz“ eine unterirdische Fabrik errichtet. Der Mangel an technischen Geräten führte dazu, dass nahezu alle Arbeiten unter Tag mit der Hand durchgeführt werden mussten. Die Häftlinge standen oft knöcheltief im Grundwasser, und das Fehlen von Sichheitsmaßnahmen führte zu Unfällen. So wurden Häftlinge durch herab brechende Sandstein verschüttet. Luise L hat auf dem Post- und Telegrafenamt gearbeitet und kurz vor Kriegsende durch Zufall mitgehört, wie der Kommandant des Konzentrationslagers Melk in Mauthausen nachgefragt hat, was mit den 3000 J (sprich Juden) bei Evakuierung des KZs zu geschehen habe. „Die sprengen sie in die Luft“ war der Kommentar. Dazu ist es dann nicht mehr gekommen, die Häftlinge wurden zwischen 11. und 15. April 1945 Richtung Ebensee verfrachtet, in Fußmärschen, per Schiff und per Bahn. Die, die zu schwach waren, die zusammengebrochen sind, wurden auf dem Weg erschossen.


www.judeninkrems.at/KZ_Melk