Institut für historische Intervention

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Home Erinnerungsprojekte in Österreich „Idylle“ - Intervention an Gemeindebaufassade

„Idylle“ - Intervention an Gemeindebaufassade

 

 


 

 

„Idylle“ - Intervention an Gemeindebaufassade

 

Durch Medienberichte war bekannt geworden, dass sich an der Fassade der städtischen Wohnhausanlage im 5. Bezirk, Brandmayergasse 27 ein Wandbild des Malers Rudolf Böttger befindet. Böttger war während der Nazi-Zeit im Rahmen des „Wiener Gaukulturrates“ für Malerei zuständig. Das Wandbild zeigt eine Familienidylle in traditionell nationalsozialistischer Ausbildung. Einer der abgebildeten Knaben in HJ-Uniform hält einen NS-Wimpel. 1945 wurde das Hakenkreuz in diesem NS-Wimpel entfernt, ansonsten ist das Werk unverändert.

Das Büro des Wohnbaustadtrats Werner Faymann nahm aufgrund der neuen Informationen Kontakt mit allen MieterInnen des Gemeindebaus auf und recherchierte parallel dazu über das Leben des Malers Böttger. Im Einvernehmen mit den MieterInnen, der Bezirksvorstehung und der Kulturabteilung wurde beschlossen, einen KünstlerInnen-Wettbewerb zu veranstalten, um sich künstlerisch-kritisch mit diesem Wandbild auseinanderzusetzen. Mit der Vorbereitung und Durchführung des Wettbewerbes wurde eine Jury aus ExpertInnen sowie VertreterInnen des Bezirks, der Gebietsbetreuung und der MieterInnen beauftragt.

Die Jury entschied sich für das Projekt von Ulrike Lienbacher. Über dem Wandbild wurde im Mai 2002 eine Glasscheibe angebracht, auf der das Wort „Idylle“ seitenverkehrt aufgebracht ist. Die seitenverkehrte Anbringung soll die falsche Idylle des Familienlebens im faschistischen Deutschen Reich und den Missbrauch der Sprache durch die Nationalsozialisten verdeutlichen. Eine erläuternde Tafel neben dem Wandbild informiert in vier Sprachen über die Hintergründe des Originals und seiner Umgestaltung.
(Fotos: Rainer Iglar)


Projektbeschreibung auf "Kunst im öffentlichen Raum Wien"