Institut für historische Intervention

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Home Erinnerungsprojekte in Österreich Reichsstraßenbau-Lager Traunsee

Reichsstraßenbau-Lager Traunsee

 

 


4801 Traunkirchen bei der Volksschule (Mitterndorf 10)

 

 

Reichsstraßenbau-Lager Traunsee


Bis zum Abtransport der letzten jüdischen Lagerinsassen am 22. 9.1942 wurden insgesamt 476 Juden aus Wien zur Arbeit im Straßenbau in Traunkirchen und Umgebung gezwungen. Profiteure der Zwangsarbeit waren in erster Linie private Baufirmen (Preslicka&Co., Mayreder & Kraus, Wayss & Freytag). Die Juden waren streng von den anderen Arbeitern separiert und waren durch gelbe Stoffflecken an der Oberbekleidung gekennzeichnet. Kontakt zur Zivilbevölkerung Traunkirchens war strengstens verboten.


Im Jahr 2001 wurden sämtliche Meldelisten mit persönlichen Angaben der jüdischen Zwangsarbeiter aufgefunden. Nach dem September 1942 wurden bis auf wenige Ausnahmen alle Juden von Wien aus in die Vernichtungslager im Osten deportiert und dort ermordet. Anschließend diente das Lager als Unterbringungsort für russische Zwangsarbeiter.

2002 wurde das von Ferdinand Götz aus Bad Ischl entworfene Mahnmal eröffnet. Es stellt implizit das Verdecken des Vergangenen und damit auch des Gegenwärtigen und Zukünftigen zur Schau. Eine Vierergruppe Sitzhocker; die Sitzflächen sind aus Glas gefertigt und bestehen aus jeweils zehn Schichten Glas. Zwischen den Schichten stehen die Namen aller im Arbeitslager Traunkirchen internierten Juden geschrieben - manche tiefliegend, andere nah an der Oberfläche. Durch die Folge der Schichten entsteht eine Perspektive, die veranschaulicht, wie der Mensch in der Geschichte vergeht und wie er vergessen wird. Wer sich auf die Hocker setzt, verdeckt die Namen – gleich jenem, der ohnmächtig und im Unwissen besser zu leben glaubt, doch erst im Aufstehen den Blick freibekommt auf das Vergangene wie auch auf das Zukünftige.



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