Institut für historische Intervention

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REVUE am Fritz-Grünbaum-Platz

 

 

 

 

 

 

REVUE am Fritz-Grünbaum-Platz

 

„… Die Hund` auf der Erd` und die Vögel in der Luft!
Und hoch über mir zieh`n die Schwalben die Kreise,
Und am Sockel lehnen die Hunde leise,
Und all das Getier wird beim Sterneblitzen
mein Denkmal bei Nacht zum Benetzen benützen
So tut das Getier seine Liebe kund:
Von oben die Vögel, am Sockel die Hund!“

(Fritz Grünbaum)

Mašinka, Kunstverein zur Förderung partizipativer Kunst- und Kulturarbeit (vertreten durch Andrea Maria Krenn), schrieb gemeinsam mit KÖR Wien und im Auftrag des 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf einen Wettbewerb für die 6-monatige, künstlerische Gestaltung des Fritz-Grünbaum-Platzes aus. Neben der vorrangigen Auseinandersetzung mit Person und Schicksal des Wiener Kabarettisten und Opfer des Holocausts, Fritz Grünbaums, sollte auch die Eigenschaft des Platzes als Ort urbaner Belebtheit, umringt von Bauten mit spezifischer historischer Bedeutung (Apollokino, Flakturm, Esterhazypark) beleuchtet werden. Wendelin Pressl gewann den Wettbewerb mit der begehbaren Intervention REVUE.

Als Referenz auf den Namensgeber des Platzes ist diese „Tri-Bühne“ eine liebevolle Hommage. Das Gebilde steht für sein Schaffen als Kabarettist, die Spiegelung der gegenüberliegenden Stiege ist ein Verweis auf die berühmte Doppelconference, die Fritz Grünbaum gemeinsam mit Karl Farkas entwickelt hatte. Die Blickrichtung in Richtung des Flakturmes ist Mahnung auf das Ende Fritz Grünbaums, der bis zu seinem Tode im Konzentrationslager die Hoffnung ans Überleben aufrecht erhielt und den Mitmenschen Trost spendete.

Als Tribüne gesehen, ermöglicht Wendelin Pressls REVUE Raum für Selbstinszenierung, inszeniert aber gleichzeitig die Umgebung, die Straße, den restlichen Platz und lädt das Alltägliche mit Bedeutung auf. Der Benützer der Tribüne erlebt das Stadtgeschehen als Theater, gewöhnliche Tätigkeiten erscheinen als Szenen. Ein anderes Potential ist das Experiment: die Tribüne selbst als Bühne uminterpretiert, stellt ein Angebot zur sozialen Interaktion dar und lädt ein, selbst aktiv zu werden - egal ob in Form von Gaukelei, Straßenmusik oder anregender Gespräche. Bespielungen mit Bezug auf den historischen Ort sind erwünscht.

www.koer.or.at